Eine Stichprobe des Gesundheitstipp zeigt: Babyphones erzeugen viel Elektrosmog. Fachleute raten von solchen Geräten ab. Denn Kleinkinder können auf die Strahlung sehr empfindlich reagieren.
Quelle Text und Bild: Gesundheitstipp
Ein Babyphone ist praktisch. Eltern hören in der Stube durch einen Lautsprecher, wenn das Baby im Schlafzimmer weint, und können sofort reagieren. Das Sendegerät liegt in der Regel in der Nähe des Bettes, das Empfangsgerät in der Stube. Der Nachteil solcher Geräte: Sie strahlen stark. Das zeigt die Stichprobe des Gesundheitstipp. Der Elektrobiologe Urs Raschle aus Degersheim SG mass dafür bei drei Babyphones mit Bildschirm und fünf Geräten ohne Bildschirm die Strahlung der Sender je in einem Meter und in eineinhalb Meter Abstand. Ein Meter entspricht der üblichen Distanz zwischen Babybett und Sender. Die Geräte «Avent» von Philips und «Neonate» strahlten im Vergleich am wenigsten. Beide haben keinen Bildschirm. Bei einem Abstand von einem Meter strahlten sie mit einer elektrischen Feldstärke von rund 0,4 Volt pro Meter (siehe Tabelle). Laut den Richtwerten des deutschen Instituts für Bau- biologie und Nachhaltigkeit strahlen Geräte ab 0,06 bis 0,6 Volt pro Meter «auffällig stark». Sechs der acht Geräte strahlten mit über 0,6 Volt pro Meter und damit laut Institut «extrem auffällig». Rebekka Meier vom Verein Schutz vor Strahlung sagt, dass diese Richtwerte unter Baubiologen «unbestritten» seien. Die gemessenen Daten sind Spitzenwerte. Diese ergeben sich, wenn sich das Baby bewegt, Geräusche von sich gibt oder das Mikrofon eine Aktivität erkennt.
Gerät «Babymoov» strahlte am stärksten
Die höchsten Werte mass der Experte beim Gerät «Babymoove». Es strahlte mit einer Feldstärke von fast 1,4 Volt pro Meter. Dahinter folgt das Gerät von Reer mit einer Strahlung von 1,1 Volt pro Meter. Die Stichprobe zeigt: Geräte ohne Bildschirm strahlen ungefähr gleich stark wie solche mit Display. Urs Raschle sagt: «Babyphones mit Bildschirm übertragen zwar mehr Daten, doch das führt nicht automatisch zu höheren Messwerten.» Massgeblich für die Spitzenwerte ist die Stärke des einzelnen Funkimpulses: Dieser unterscheidet sich laut Raschle je nach Modell. Viele Geräte sind mit dem Betriebsmodus Eco, Vox oder ZRF ausgerüstet. Dieser reduziert die Funkaktivität, indem er entweder die Sendeleistung drosselt oder längere Pausen macht. Laut den Her- stellern verrringert sich damit die Strahlung. Das «Babymoove Premium Care» etwa soll dann massiv weniger elektromagnetische Wellen ausstrahlen als andere Geräte. Auch Hersteller von Babyphones ohne Bildschirm wie Reer oder Beurer behaupten, ihr Eco-Modus sorge für eine geringere Strahlung.
Urs Raschle winkt jedoch ab: «Die Hersteller versprechen zu viel. Die Geräte reduzieren die Funkaktivität nur, wenn es völlig still ist.» Sobald das Kind sich bewege oder Geräusche mache, «senden fast alle Geräte mit voller Leistung, unabhängig vom Betriebsmodus». Die Hersteller schreiben dem Gesundheitstipp, sie hielten bei ihren Geräten die gesetzlichen Grenzwerte punkto Sendeleistung ein. Doch Experten kritisieren seit langem, dass diese Grenzwerte viel zu hoch seien. Umstritten ist, wie sich elektromagnetische Strahlen auf die Gesundheit der Babys auswirken. Rebekka Meier sagt, aus «ethischen Gründen» gebe es keine Studien an Kleinkindern und Babys. Unbestritten ist: Elektrosmog kann den Schlaf stören. Darauf weisen mehrere Studien hin. Auch eine neue Untersuchung der Uni Zürich und der ETH zeigt: Hochfrequente Strahlen, wie sie von Babyphones oder Mobilfunkantennen ausgehen, wirken sich auf die Hirnströme aus – mit Folgen unter anderem für die Schlafqualität. An der Studie nahmen über 30 Frauen teil, die vor dem Schlafen 30 Minuten lang Elektrosmog ausgesetzt waren, wie er von 5G-Antennen stammt.
Elektrosmog: So wurde gemessen
Der Elektrobiologe Urs Raschle aus Degersheim SG mass für den Gesundheitstipp die elektromagnetische Strahlung bei acht Babyphones.
- Die Messungen erfolgten, als die Sendegeräte in Betrieb waren oder das Mikrofon eine Aktivität erkannte. Das ist dann der Fall, wenn ein Baby sich bewegt oder Geräusche von sich gibt.
- Das Sendegerät stand in 1 Meter Abstand zum Mess- punkt. Dieser Abstand ist für eine Messung am zuverlässigsten. Das Empfangsgerät für die Eltern befand sich in etwa 6 Meter Distanz, damit dessen Funkverbindung die Messung nicht beeinflusste.
- Zum Vergleich führte der Experte Messungen bei einem Abstand von 1,5 Metern durch und berechnete den Wert für eine Distanz von 2 Metern.
